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Venedig I

Kaum eine Stadt der Welt wurde und wird so viel photographiert wie Venedig.

Die Lagunenstadt.

Unzählige Touristen strömen stündlich, täglich, jährlich durch diese Stadt. Als wollten sie sie leerknipsen.

Was ist es, was die Menschen an Venedig so anzieht, das jeder versucht durch die Photographien ein Stück dieser Träume und Sehnsüchte mitzunehmen, die Venedig in sich birgt, ja entfacht!?

Das diese so einfach nicht zu photographieren sind liegt auf der Hand: Venedig ist eben viel mehr als das Bild auf einer Postkarte. Mehr als der Markusplatz. Mehr als die Masken (die inzwischen Made in China sind und mit dem eigentlichen venezianischen Fasching so rein gar nichts mehr gemeinsam haben). Mehr als nur seine Hauptschlagader – der Canale Grande, mit seinen “Grand dame” Palästen, die bis vor 20 Jahren noch zu verrotten drohten und nun dank Tourismus, internationaler Sponsoren, Spekulanten und Investoren wieder an Haltung gewonnen haben und in neuem und altem Galnz erstrahlen.

Für mich verdienen Venedig und die Venezianer eine Huldigung. Schon allein sich ständig in Gassen und auf Booten zu bewegen, keine Autos um sich zu haben und immer mit dem Wasser, dem Aqua, in Berührung zu sein, faszieniert und läßt einen eintauchen in eine andere Welt. Spätestens das Aqua Alta bringt einen mit dem salzigen Nass dann in Berührung. Aber Venedig hat auch ein Aqua veritas…

Venedig ist eine Stadt der Gerüche: stinkende, modrige, fischige, meeressalzige. Der Morgen riecht anders als der Abend und der eine Platz anders als der Nächste.

Dies ist der Beginn der Erzählung einer Reise, die ich dieses Jahr im Januar begonnen habe. Diese allerersten Berührungen mit der Lagunenstadt führten mich in ein winterliches Venedig in dem die Hauptzahl der kleine Läden, Bars, Osterien und Handwerkerbetriebe abseits von San Marco noch geschlossen haben. Nicht einmal die Stühle stehen auf den kleinen Campi zum verweilen.

Es ist ein erster Teil meiner Reise nach Venedig, dem Venedig der Geschichten und Träume, Klischees und Alltäglichkeiten, seinen erwünschten und unerwünschten Gäste; und einfach auch das Venedig der Venezianer und Ihrem Sein im Offensichtlichen und im Verborgenen.

So wie sich Venedig mir zeigen wird.

Venedig, Januar 2010

6. Februar 2010

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